Finanzen in einer Partnerschaft zusammenzulegen, wird oft als ein natürlicher Schritt angesehen. Ein Gemeinschaftskonto eröffnen, den Alltag vereinfachen, Überweisungen einer Person überlassen: Diese Entscheidungen werden in der Regel im Vertrauen getroffen. Mit der Zeit kann es jedoch schwieriger werden, genau zu wissen, über welche finanziellen Mittel jede Person verfügt oder die Fähigkeit einzuschätzen, den eigenen Bedarf zu decken.

 

Finanzielle Autonomie: worum geht es?

Finanzielle Autonomie bezeichnet die Fähigkeit jedes Partners, auf eigene Mittel zuzugreifen, die persönliche finanzielle Situation zu kennen und die eigenen Bedürfnisse selbstständig zu decken.

Konkret basiert dies auf einigen einfachen Grundlagen:

  • ein Konto im eigenen Namen haben

  • einen klaren Überblick über Einnahmen und Ausgaben haben

  • eigene finanzielle Entscheidungen für den Alltag treffen können

Die Art und Weise, wie Geld innerhalb eines Paares verwaltet wird, ist in erster Linie eine gemeinsame Entscheidung, die beiden Partnern entsprechen muss.

Es gibt kein richtiges oder falsches Modell: Gemeinschaftskonto, getrennte Konten oder eine Kombination daraus – entscheidend ist, dass die Organisation für beide verständlich und akzeptiert ist.

Es ist ebenfalls wichtig, sich finanziell anpassen zu können, wenn sich persönliche oder berufliche Situationen verändern: Jobwechsel, Elternzeit, Trennung, Wiederaufnahme der Arbeit oder jedes andere Lebensereignis, das das finanzielle Gleichgewicht der Familie beeinflussen kann.

Von Autonomieverlust zu wirtschaftlicher Gewalt: eine schmale Grenze

In bestimmten Fällen beschränkt sich der Verlust finanzieller Autonomie nicht auf schrittweise oder unbeabsichtigte Ungleichgewichte. Er kann auch auf eine finanzielle Kontrolle hinweisen, die schrittweise und bewusst schädlich aufgebaut wird. In diesem Fall spricht man von wirtschaftlicher Gewalt.

Diese Situationen beruhen häufig auf wiederkehrenden Mechanismen, darunter:

  • dem Partner das Arbeiten verbieten
  • sich weigern, sich an gemeinsamen Ausgaben zu beteiligen
  • sich die finanziellen Ressourcen der Familie aneignen
  • die Zahlungsmittel des anderen beschlagnahmen (Bankkarten, Kontozugang)
  • den Zugang zum Haushaltsgeld ohne Erlaubnis einschränken
  • Kredite im Namen des anderen aufnehmen oder dessen Identität missbrauchen
  • Unterhaltszahlungen nach einer Trennung nicht leisten oder nicht teilen

Diese Formen der Kontrolle können sich schrittweise entwickeln und dadurch schwer erkennbar werden. Sie stellen jedoch einen direkten Eingriff in die Autonomie, die Entscheidungsfreiheit und die materielle Sicherheit der betroffenen Person dar.

Sie zu erkennen ermöglicht es, zu handeln.

Was sollte mich alarmieren?

Einige, manchmal unauffällige Anzeichen können darauf hinweisen, dass ein Verlust finanzieller Autonomie einsetzt:

  • ich habe kein persönliches Bankkonto und keine Zahlungsmittel auf meinen Namen
  • ich kann nicht frei über mein Gehalt verfügen
  • ich muss jede Ausgabe rechtfertigen
  • ich kann mich zu Ausgaben nicht äußern
  • ich erlebe Druck, Demütigungen, Angst oder Einschüchterung im Zusammenhang mit Geld

Wenn Sie sich in einer dieser Situationen wiedererkennen, sollte dies besonders beachtet werden.
 

  

Was tun, wenn Sie von wirtschaftlicher Gewalt betroffen sind?

Der erste Schritt besteht darin, darüber zu sprechen. Mit einer nahestehenden Person, einer Fachkraft im Gesundheitsbereich oder einer spezialisierten Organisation. Die Situation in Worte zu fassen hilft oft, sich ihrer bewusst zu werden, und ist ein erster Schritt, um wieder Kontrolle zu gewinnen.

Bei BNP Paribas und insbesondere bei BGL BNP Paribas sind unsere Berater für diese Themen sensibilisiert und geschult, um Opfer wirtschaftlicher Gewalt finanziell zu begleiten. Ihre Aufgabe ist es, zuzuhören, dies in einem vertraulichen Rahmen, und jede Person zu passenden finanziellen Lösungen zu führen.

Ob Sie selbst betroffen sind oder Ihre finanzielle Autonomie überprüfen möchten – unsere Teams stehen Ihnen zur Verfügung, um Sie zu informieren, zu orientieren und zu begleiten.

In Luxemburg stehen zudem mehrere Einrichtungen zur Verfügung, um Personen mit eingeschränkter finanzieller Autonomie oder Opfer wirtschaftlicher Gewalt zu unterstützen.

Die 2060 1060, die nationale Hotline für Gewaltopfer (erreichbar 24std täglich, 7 Tage die Woche), ermöglicht eine Weiterleitung zu geeigneter Unterstützung. Sie können auch die Website www.violence.lu besuchen.


 

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Your devoted BGL BNP Paribas Team, 16/06/2026